Wie kam Hermann Gmeiner auf die Idee SOS-Kinderdorf zu gründen?
Nach dem Zweiten Weltkrieg leitet der Österreicher Hermann Gmeiner, erschüttert über die Not tausender Kriegswaisen, den Bau des ersten SOS-Kinderdorfs in Imst, Österreich, in die Wege. In kurzer Zeit wird sein Konzept von allen Bevölkerungen und in allen Kontinenten umgesetzt.
Wie kommen die Kinder in ein SOS-Kinderdorf?
SOS-Kinderdorf International arbeitet immer eng mit den lokalen Behörden vor Ort zusammen, die sich um die Probleme der Jugendlichen und um deren Unterstützung kümmern. Außerdem sind es jene Behörden die letztendlich darüber entscheiden, ob uns ein Kind anvertraut wird oder nicht. Es kann vorkommen, dass jemand von SOS-Kinderdorf hört und uns aufsucht, um uns auf verstoßene Kinder, denen er selbst nicht helfen kann, aufmerksam zu machen. Es kommt sogar vor, dass Kinder vor den Pforten eines SOS-Kinderdorfes aufgegeben werden. In allen Fällen sind es die Behörden der jeweiligen Nation, die darüber entscheiden, ob das Kind von SOS-Kinderdorf aufgenommen werden darf oder nicht.
Welche Kinder kommen für die Aufnahme in ein SOS-Kinderdorf in Frage?
Im Prinzip kommen alle im Stich gelassenen Kinder, um die keiner sich kümmern kann, in Betracht, um in einem SOS-Kinderdorf aufgenommen zu werden. Häufige Gründe sind zum Beispiel Bürgerkriege, Naturkatastrophen und Epidemien. In Europa stammen die Kinder oft aus einer „Problemfamilie“, in der weder Eltern noch nähere Verwandte in der Lage sind, sich um die Kinder zu kümmern.
Wie viele Kinder können in einem SOS-Kinderdorf leben?
Generell leben zwischen 100 und 150 Kinder in einem SOS-Kinderdorf, welches aus 10 bis 15 Häusern besteht. Dies hängt vom jeweiligen Land ab, in dem sich das Dorf befindet. In der Tat ist es eines unserer Prinzipien, dass die Kinder so viel Kontakt wie nur möglich mit ihrer eigenen Kultur und Religion haben. Auf diese Art versuchen wir, dem Kind ein möglichst authentisches und geeignetes Familienumfeld und im jeweiligen Land zugleich Arbeitsstellen zu schaffen. Die Größe der einzelnen Familien hängt von kulturellen Faktoren ab. In europäischen Familien, zum Beispiel, trifft man im Durchschnitt weniger Kinder an als in afrikanischen SOS-Familien.
Wie viele SOS-Kinderdörfer kann es in einem Land geben?
Prinzipiell sind dem keine Grenzen gesetzt. Vieles hängt zum großen Teil mit den Problemen hinsichtlich der Kinderhilfe im jeweiligen Land zusammen.
Welche Glaubensrichtung dient zur religiösen Erziehung des Kindes?
Jedes Kind wird nach der Religion seiner Eltern erzogen. Wenn die Religion der Eltern unbekannt ist, wird das Kind nach der Glaubensrichtung erzogen, die in seinem Umfeld am meisten verbreitet ist. In vielen SOS-Kinderdörfern gibt es mehrere verschiedene Religionen.
Wann verlässt ein Kind sein SOS-Kinderdorf?
Es gibt kein bestimmtes Alter, in dem ein Kind das Dorf verlassen muss. Manche Kinder sind schneller als andere bereit, auf eigenen Füßen zu stehen. Generell bleiben die Kinder so lange im Dorf bis ihre Schulbildung oder ihre Berufsausbildung abgeschlossen ist, dass sie in der Lage sind, unabhängig zu leben. Zu dem Moment, wo die Kinder in einem SOS-Kinderdorf empfangen werden, sind sie häufig erziehungstechnisch noch nicht so weit wie ihre Altersgenossen aus dem Dorf. Aus diesem Grund ist es sehr schwierig einzuschätzen, mit wie vielen Jahren sie reif genug sein werden, um das Dorf zu verlassen.
Kann ein Ehepaar oder ein Mann Vormund einer SOS-Familie werden?
Meistens sind es Frauen die die Rolle der „SOS-Mutter“ übernehmen. Aber manchmal kommt es vor, meist in Europa, dass ein Ehepaar sich dazu entschließt, sein Leben der Zukunft der Kinder zu widmen.
Erhält eine SOS-Mutter eine weiterführende Ausbildung?
Jedes nationale Büro gewährleistet die theoretische und praktische Ausbildung der zukünftigen SOS-Mütter, dass sie zum Zeitpunkt ihres Arbeitsbeginns, ihrer Funktion als SOS-Mutter auf kompetente Weise nachkommen kann. In den Entwicklungsländern wird man SOS-Tante bevor man eine SOS-Mutter wird. Eine SOS-Tante erhält eine dreimonatige, praktische Ausbildung und anschließend ein intensives Praktikum von mindestens einem Jahr an der Seite einer SOS-Mutter. Alle SOS-Mütter müssen zusätzlich an Fortbildungskursen und an Eignungstests teilnehmen.
Darf eine SOS-Mutter ihre eigenen Kinder ins SOS-Kinderdorf mitbringen?
Es kann vorkommen, dass eine SOS-Mutter auch leibliche Kinder hat. In diesem Fall haben ihre Kinder keinen Kontakt mit dem SOS-Kinderdorf. Die SOS-Mütter können aber ihre eigenen Kinder in ihrer Freizeit besuchen, die restliche Zeit sind sie verpflichtet, sich ihrer SOS-Familie zu widmen.
Erhält SOS Villages d’Enfants Monde auch öffentliche Gelder?
Unsere Organisation wird vom Außenministerium durch Mitfinanzierung innerhalb eines Rahmenabkommens unterstützt. Die Stadt Luxemburg erteilt uns ebenfalls finanzielle Unterstützung für Projekte in bestimmten Bereichen, die jedes Jahr festgelegt werden.
Wo finde ich eine Sicherheit, dass bei SOS-Kinderdorf das gespendete Geld gut angelegt ist und auch bei den Patenkindern ankommt?
Unsere gesamten Einnahmen und Ausgaben werden in unseren alljährlichen Abrechnungen wiedergegeben. Unser Finanzbericht wird von einem unabhängigen und anerkannten Finanzorgan kontrolliert. Weitere Informationen über unsere Kontroll- und Transparenzmechanismen erhalten Sie hier.
